Katholischer Pflegeverband e.V.


Spiritualität gibt Orientierung

Seelsorge für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in der Diözese Regensburg

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28.10.2011

Weihnachten – Gedankensplitter

Unser Bild vom Geschehen der Hl. Nacht

In der Mette der Hl. Nacht lassen wir uns durch das Evangelium nach Bethlehem führen. Was Lukas erzählt, ist in vielen Krippen dargestellt worden und entspricht dem Bild, das wir von Kindesbeinen an vom Weihnachtsfest haben: Maria und Josef, das Kind im Stall, die Hirten, die Engel. Alle diese Gestalten gehören einfach dazu. Nicht zu vergessen natürlich Ochs und Esel und einige Schafe und andere Tiere.

Das ganz andere Bild in der Orthodoxie

In den orthodoxen Schwesternkirchen wird das Geschehen von Weihnachten auf Ikonen dargestellt, nicht mit Krippenfiguren. Auf manchen Ikonen wie in der Weihnachtsikone im Kloster Windberg ist das Jesuskind – von Maria und Josef ehrfürchtig betrachtet und umsorgt – nicht im Mittelpunkt zu sehen sondern Maria, auf einem Lager ruhend. Ihr Blick ist vom Neugeborenen abgewandt und schweift in die Ferne. Sie erscheint dem Betrachter wie abwesend, nachsinnend, etwa so wie Lukas über sie schreibt: „Maria dachte über alles nach, was geschehen war“ (Lk 2,19).  Auch Josef befindet sich nicht in der Nähe des Neugeborenen, sondern am rechten Bildrand in gemessenem Abstand. Den Kopf in der Rechten haltend, wirkt auch er nachdenklich und ernst. Das Christkind wird auf einer Liege im obersten Stockwerk eines Hauses dargestellt, im oberen Bilddrittel, eingehüllt in Windeln. Dem neugeborenen Kind am nächsten sind Ochs und Esel, also die Kreatur.

Vorrang der Kreatur?

Ein oberflächlicher Betrachter dieser Darstellung könnte den Eindruck gewinnen, die Eltern würden sich gar nicht um ihr Kind kümmern. Er könnte versucht sein, schlecht über solche „Rabeneltern“ zu denken, denen ihr neugeborenes Kind offensichtlich nur wenig bedeutet.  Aber täuschen wir uns nicht. Die Ikone will eine ganz andere, ebenso wichtige Botschaft von Weihnachten vermitteln. Sie will darauf hinweisen, dass der Mensch das göttliche Geheimnis der Menschwerdung trotz allem Scharfsinn nicht lüften, sondern allenfalls bestaunen und bewahren kann. Ein Hinweis darauf, dass das eigentliche Geschehen der Weltgeschichte manchmal wie „hinter unserem Rücken“ – also ohne unser Zutun – abläuft. Der Mensch kann nur vorbereiten, sagt die Ikone. Gott ist der eigentlich Handelnde. Maria und Josef haben alle Vorbereitungen getroffen. Jetzt können sie nur noch staunend zur Kenntnis nehmen, was geschehen ist.

Von Maria und Josef lernen

Maria liegt in sinnender Betrachtung – vom göttlichen Kind entbunden – wie auf einer Liegestatt. In dieser Darstellung hat die Liegestatt fast die Form einer Gebärmutter, so als ob die Gebärende selbst noch einmal entbunden werden müsste von allzu weltlichen Vorstellungen über die Zukunft ihres Kindes. Und es wurde ihr ja wahrlich nichts erspart. Josef, der immer als tätiger Bauhandwerker geschildert wird, erscheint auf unserer Ikone ebenfalls in betrachtender Versenkung.