Katholischer Pflegeverband e.V.

Es geht um jeden Einzelnen
in der Pflege

Katholischer Pflegeverband e.V.

Adolf-Schmetzer-Str. 2-4

93055 Regensburg

Germany

Telefon: 0941 6048 77-0

Telefax: 0941 6048 77-9

E-Mail: info@kathpflegeverband.de

Werden Sie Mitglied!

zum Anmeldeformular …

Im Fokus: Migration ausländischer Pflegefachpersonen

Ausländische  Pflegefachpersonen  sind in  der  deutschen  Pflegelandschaft willkommen.  In  einer  offenen  und  bunten Gesellschaft  stellen  sie  eine Bereicherung  dar  und  tragen  dazu  bei,  kulturspezifische Aspekte in der Pflege umzusetzen und weiter zu entwickeln.

Derzeit  findet  die  Anwerbung  ausländischer  Pflegefachpersonen  auf  dem Hintergrund des Pflegefachpersonalmangels statt. Zahlreiche Einrichtungen wie Krankenhäuser, ambulante Pflegedienste und stationäre   Pflegeeinrichtungen   haben Schwierigkeiten,  geeignete  Mitarbeiter für ihre freien Stellen zu finden. Auf diesem Hintergrund sind die Bemühungen, die Stellen mit ausländischen Pflegefachpersonen zu besetzen, nachvollziehbar.

Allerdings  können  ausländische  Pflegefachpersonen  den  Mangel  an Pflegefachpersonen nicht ausgleichen; sie können ihn bestenfalls  abmildern. Denn  dieser  Mangel  begründet  sich  in den bestehenden Rahmenbedingungen, die  durch  hohe  Arbeitsbelastung,  begrenzte Handlungsautonomie,  geringe Aufstiegs-  und  Karrieremöglichkeiten und niedrige Vergütung gekennzeichnet sind. Die Anwerbung ausländischer Pflegefachpersonen trägt nicht zur Verbesserung dieser Rahmenbedingungen bei.

Sie unterstützt eher deren Beibehaltung und integriert ausländische Pflegefachpersonen in Arbeitsbedingungen, unter denen  inländische Pflegefachpersonen nicht mehr arbeiten wollen. Daher werden vor allem geeignete Strategien benötigt, um attraktive Arbeitsbedingungen für alle Pflegefachpersonen zu schaffen, die zu einem längeren Verbleib im Beruf, zu mehr  Vollzeitbeschäftigung  und  zu weniger  Berufsflucht  deutscher Pflegefachpersonen führen 1 . Zu den Strategien gehören Investitionen in die Qualifizierung und den Berufsverbleib, eine kurzund mittelfristige Bedarfsplanung sowie die  Anpassung  der  davon  abgeleiteten Ausbildungskapazitäten.

Entscheiden sich Einrichtungen zur Anwerbung ausländischer Pflegefachpersonen,  empfiehlt  der  DPR,  folgende Grundsätze zu beachten:

Globaler Verhaltenskodex der WHO

Bei der internationalen Anwerbung von Gesundheitsfachpersonen  gilt  es, dem 

globalen Verhaltenskodex der WHO für  die  internationale  Anwerbung  von 

Gesundheitsfachkräften Rechnung zu tragen, zu dem sich auch die Bundesregierung verpflichtet hat. Der Kodex untersagt die Rekrutierung von Gesundheitsfachpersonen aus Entwicklungsländern, in  denen  ein entsprechender  Personalnotstand herrscht. Zudem müssen zugewanderten Arbeitskräften die gleichen Arbeitsbedingungen gewährt werden wie den Angestellten aus dem eigenen Land. Die eigenen Ausbildungskapazitäten sollen erhöht und die Zusammenarbeit zwischen den Ziel- und Herkunftsländern gefördert werden. Aus Sicht des DPR ist die Einhaltung dieses Kodex bei den Verhandlungen unverzichtbar. Die WHO hat 2006 einen Grenzwert für einen  kritischen  Mangel  von  Gesundheitsfachkräften  definiert . Er liegt bei 2,28  Ärzten,  Pflegern  und  Hebammen pro 1.000 Kopf der Bevölkerung. Dieser Definition  entsprechend  gelten  57  Länder als Krisenländer 2 . In Europa kamen 2010  auf  1.000  Kopf  der  Bevölkerung durchschnittlich  7,9  ausgebildete  und registrierte Pflegekräfte. In der Schweiz, Dänemark  und  Belgien  waren  es  über 15 3 .  Trotz  dieser  deutlich höheren  Zahlen allein für die Berufsgruppe der Pflegenden,  führen  wir  auch in  Europa  die Diskussion über den Mangel an Pflegefachpersonal  und  die damit  verbundenen Einbußen bei der Qualität der pflegerischen  Versorgung. Zwar  lässt  sich der  von  der  WHO  definierte  Grenzwert auf  dem Hintergrund  der  politischen und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  in den   jeweiligen   Entwicklungsländern sicherlich  begründen.  Dennoch  stellt sich die Frage,  wie  sich  argumentieren lässt, dass auf Grund des Pflegemangels in Deutschland Fachkräfte aus Ländern angeworben werden, in denen die Pflegepersonalausstattung deutlich schlechter ist als hierzulande.

Bundeseinheitliches Anerkennungsverfahren 

Ausländische  Pflegefachpersonen, die in Deutschland arbeiten, benötigen eine Qualifikation, die sowohl hinsichtlich  der  Inhalte  als  auch  der  Dauer  der Ausbildung deutscher Gesundheits- und Krankenpfleger/innen  vergleichbar  ist. Die Anerkennung der Berufsabschlüsse für  Gesundheits-  und  Krankenpfleger/innen in Europa erfolgt auf der Grundlage  der  Berufsanerkennungsrichtlinie 2013/55/GE. Die Prüfung basiert auf den Bundesgesetzen  (Krankenpflegegesetz, Altenpflegegesetz). Die Zuständigkeit für das Anerkennungsverfahren der Heilberufe- und Gesundheitsberufe liegt in den Bundesländern  und  wird unterschiedlich  geregelt.  Daher  empfiehlt  der  DPR die zentrale und bundeseinheitliche Anerkennung  von  ausländischen  Berufsqualifikationen. Die Umsetzung des Beschlusses  der  Gesundheitsministerkonferenz von 2012, der die Einrichtung einer  länderübergreifenden  Gutachterstelle vorsieht, wäre hierfür ein wichtiger Schritt 4 . 

Feststellung der Fachkompetenz 

Bei der Ausbildung zur Pflegefachperson unterscheiden  sich  die  Inhalte  in den verschiedenen   Herkunftsländern   z.T. erheblich von denen des Kranken- bzw. Altenpflegegesetzes.  So  weisen  einige der  ausländischen Pflegefachpersonen beispielsweise  mehr  Kompetenzen  in medizinorientierten Bereichen aus, verfügen aber über weniger Kompetenzen bei patientennahen Aufgabenbereichen wie beispielsweise der Körperpflege. Daher spricht sich der DPR dafür aus, dass die vorhandenen bzw. fehlenden Kompetenzen bei ausländischen Pflegefachpersonen festgestellt und entsprechend nachgeschult werden.

Willkommenskultur

Um ausländische Pflegefachpersonen in den  deutschen  Pflegekontext nachhaltig  zu  integrieren,  wird  eine  Willkommenskultur  benötigt,  die  das Anerkennungverfahren, die Einarbeitung im Einsatzort  und  die  soziale Integration umfasst. Bei dem Anerkennungsverfahren handelt es sich um einen komplexen Prozess, dessen zeitnaher Abschluss eine enge  Zusammenarbeit aller  beteiligten Akteure  wie  Behörden,  Sprachschule, Arbeitgeber  und Arbeitnehmer  erforderlich macht. Dabei erweist es sich als sinnvoll,  mit  den interessierten  Pflegefachpersonen bereits im Herkunftsland Kontakt   aufzunehmen,   um   Fehleinschätzungen  und  damit  verbundenen Enttäuschungen bzw. dem Abbruch des Verfahrens vorzubeugen. Zudem bedarf es einer gezielten Einarbeitung am Einsatzort und Maßnahmen zur sozialen Integration. Der DPR empfiehlt eine solche Willkommenskultur,  die zudem  auch die  Pflegefachpersonen  vor  Ort  durch Informationen über das Herkunftsland der ausländischen Kolleginnen und Kollegen einbezieht. 

Sprachkompetenz B2 GER

Ausländische Pflegefachpersonen müssen der deutschen Sprache mächtig sein und über eine medizinische und pflegerische  Fachsprache  verfügen.  Bei  den Anforderungen an die Sprachkompetenz gibt es Unterschiede in den Bundesländern. Der DPR empfiehlt daher die bundesweit  einheitliche Sprachkompetenz B2 GER (Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen) für ausländische Pflegefachpersonen.

Überprüfung der Nachhaltigkeit

Die Anwerbung, Nachqualifizierung, Einarbeitung und Integration ausländischer Pflegefachpersonen  ist  ein  Verfahren, das erhebliche zeitliche und finanzielle Ressourcen bindet. Daher empfiehlt der DPR,  die  Nachhaltigkeit  dieses Verfahrens  zu  untersuchen.  Dazu  werden  Informationen darüber benötigt, wie viele ausländische Pflegefachpersonen angeworben wurden, wie viele dieser Personen eine Berufstätigkeit in Deutschland tatsächlich  aufgenommen haben und wie  lange  sie  diese  Berufstätigkeit  ausgeführt haben. 

1   In den Jahren 2008 bis 2013 wanderten 5.348 Pflegefachpersonen ins Ausland ab, 3.090 davon in europäische Länder. European Commission 2014. Statistics - Professionals moving abroad (establishment) ec.europa.eu/internal_market/qualifications/regprof/index.cfm (last access 28.02.2014)

2   WHO (2010) Handbuch. Der globale Verhaltenskodex der WHO für die internationale Anwerbung von Gesundheitsfachkräften www.healthworkers4all.eu/fileadmin/docs/de/WHO_Verhaltenskodex_tdh.pdf (last access 28.02.2014)

3   OECD (2012), “Nurses”, in Health at a Glance: Europe 2012, OECD Publishing. dx.doi.org/10.1787/9789264183896-30-en (last access 28.02.2014)

4   Beschlüsse der 85. GMK (2012). TOP: 6.5 Verbesserung der Anerkennungspraxis nach Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes. https://www.gmkonline.de/Beschluesse.html?id=85_06.05&jahr=2012 (last access 07.03.201