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03.02.2012

Wissen, wo es brennt, Herr Daniel Bahr!

Unruhe herrscht im Altenwohnheim St. Lamberti. Jedermöchte sich von seiner besten Seite zeigen, denn Gesundheitsminister Daniel Bahr kommt zu Besuch. Begleitet von einer Schar Journalisten, erkundet er die Pflegelandschaft seiner Heimat ortsüblich mit dem Fahrrad. Schließlich hat die derzeitige Regierung das Jahr 2011 als Jahr der Pflege deklariert.

Der Münsteraner Pflegedienstleiter Reinhold van Weegen hebt, als Reaktion auf  Bahrs Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten, die Schwachpunkte der derzeitigen Pflegelandschaft deutlich hervor. In Deutschland herrschen starke Bürokratie,  geringe Löhne, Fachkräfte- und Zeitmangel in der Pflege. Durch die demografische Entwicklung in Deutschland und die mangelnde Attraktivität des Pflegeberufes verschärft sich die Problematik des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren zunehmend. Die Politik könnte den Beruf attraktiver gestalten, indem sie den Heimen die Möglichkeit gibt, mehr Personal einzustellen, und indem sie durch Abbau bürokratischer Hürden die vorhandenen Ressourcen für die direkte Pflegezeit stärkt. 

Daniel Bahr fragt nach der medizinischen Versorgung in Altenheimen. „Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten müsste verbessert werden“, antwortet van Weegen. „Während die Hausärzte zwar noch die Treue zu ihren Patienten halten, kommen die Fachärzte kaum noch ins Haus. Schließlich bekommen sie Hausbesuche nicht ausreichend vergütet.“ „Doch wer von uns soll die Patienten zum Arzt bringen?“, fragt der Pflegedienstleiter. Schließlich sind das Zeitressourcen, die nicht bezahlt werden. Die Pflegekräfte fehlen dann in dieser Zeit vor Ort. „Nur wenn es weniger Stress gibt, gehen mehr Leute in den Job“, so van Weegen. „Doch der Stress wird weiter zunehmen, denn immer mehr Bewohner sind multimorbide, und Pflegestufe Drei zu bekommen, ist sehr schwer.“ „Kommen die Menschen denn erst später ins Heim?“, fragt der Minister. 

Das Durchschnittsalter habe sich seit Jahren nicht verändert. Allerdings werde die Altersspannbreite immer größer. „Der jüngste Bewohner ist 56 Jahre alt, er hat andere Interessen als eine 90-Jährige“, sagt van Weegen. Doch ohne mehr Personal könne das Heim den unterschiedlichen Interessen kaum gerecht werden. 

Aber van Weegen stellt auch klar: Bei all den Wünschen nach Veränderung bringe all das Jammern nichts – schließlich mache ihm die Arbeit viel Spaß. Man müsse für alle Beteiligten das Beste aus der Situation machen. Und es gäbe auch positive Entwicklungen in der Pflegebranche. So seien „Betreuungsassistenten für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ein großer Segen für die Pflege. Diese haben Zeit für die Betroffenen und können sich, ergänzend zur Pflege, um deren Bedürfnisse kümmern“, sagt van Weegen. 

„Auch die 55 ehrenamtlichen Helfer steigern das Wohlbefinden der Bewohner des Altenwohnheimes St. Lamberti, indem sie diese besuchen, mit ihnen Spiele spielen und einfach Zeit mit ihnen verbringen.“