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18.03.2013

Pflegekammer: Stimmung in Niedersachsen – repräsentative Befragung gibt aufschlussreiche Informationen

Im Auftrag des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration hat das renommierte Forschungsinstitut Infratest dimap (Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH) eine Evaluationsstudie zur Pflegekammer in Niedersachsen durchgeführt. Gut Zweidrittel der über eintausend befragten Berufsangehörigen sprechen sich klar für die Grünung einer Niedersächsischen Pflegekammer aus.

Die aktuelle und repräsentative Studie der Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH im Auftrag des des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration liefert aktuelle, valide und Interessante Informationen zum Stimmungsbild bezüglich der Schaffung einer Pflegekammer in Niedersachsen. Einen detallierten Bericht finden Sie unter diesem Beitrag auch zum Download.

Über die Befragung:

Die Befragung ist in der Zeit vom 27. November bis zum 12. Januar 2013 im Quotenauswahlerfahren mittels computergestützter, mündlich-persönlicher Interviews von 1.039 derzeit in Niedersachsen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pflegefachkräften durchgeführt worden. Die Befragten arbeiten als Gesundheits- und Krankenpfleger/innen, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen oder Altenpfleger/innen in den Bereichen Krankenhäuser/Rehabilitationseinrichtungen, Teil- oder Vollstationären Pflegeheimen und Ambulanten Pflegediensten.

Die Ergebnisse:

Die deutliche Mehrheit der Berufsangehörigen wünscht sich eine Pflegekammer in Niedersachsen

67 Prozent der niedersächsischen Pflegekräfte sprechen sich für die Gründung einer Pflegekammer aus. Hier ersehen wir als wichtig, dass sich alle Berufsgruppen jeweils Mehrheitlich für die Pflegekammer ausgesprochen haben. Bemerkenswert ist jedoch die Verteilung. Sprechen Beschäftigte in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen überdurchschnittlich häufig den Wunsch nach einer Pflegekammer aus (78%), ist der Wunsch bei Beschäftigten in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten noch unterdurchschnittlich (Pflegeheime 57%, Ambulante Pflegedienste 53%). Interessant ist ebenfalls, dass sich Berufsangehörige mit Leitungsverantwortung deutlich häufiger für die Schaffung der Pflegekammer aussprechen als die Mitarbeiter ohne Leitungsverantwortung. Am stärksten ist der Wunsch bei den Beschäftigten der mittleren Leitungsebene mit 81%, gefolgt von den Führungskräften der oberen Etagen mit 73%. Mitarbeiter ohne Leitungsverantwortung sprechen sich mit 62% jedoch auch sehr deutlich für die Pflegekammer aus.

Uneinigkeit bei der Höhne des akzeptierten Beitrags:
Die relative Mehrheit, nämlich 35% der Befragten, würde einen Monatsbeitrag zur Pflegekammer von 5-10€ akzeptieren. 19% würden einen Beitrag von 10-14€ noch angemessen finden und 10% wären sogar mit einem höheren Beitrag einverstanden. Signifikant ist jedoch auch die Anzahl derjenigen, die jegliche Beitragszahlungen spontan ablehnen – immer hin 24%.

Sehr unterschiedlicher Kenntnisstand:
Traurig aber wahr: Lediglich ein knappes Drittes der Befragten war bereits vor der Befragung genauer über die Aufgaben und Ziele der Pflegekammer informiert (31%). Immerhin kannten weitere 39% die Thematik zumindest vom Begriff her. Pflegerinnen und Pfleger, die bereits vor der Befragung Kenntnisse zum Thema hatten, sprechen sich in erheblich stärkerem Maße für die Gründung einer Pflegekammer aus (83%) als jene, die das Thema nur vom Begriff her (64 Prozent) oder gar nicht kannten (54%).

Pflichtmitgliedschaft wird noch sehr kritisch gesehen
Die Haltung zur Einrichtung der Pflegekammer wird wesentlich dadurch geprägt, ob sie mit einer Pflichtmitgliedschaft verbunden ist oder nicht. Knapp die Hälfte der Pflegekräfte (47%) lehnt eine solche Pflichtmitgliedschaft mit Beitragspflicht ab, 42% äußern sich positiv. Wer sich für die Gründung einer Pflegekammer ausspricht, sieht vor allem die Vorteile einer politisch eher unabhängigen berufsständischen Vereinigung (92% der Pflegekammer-Befürworter). Sie können den Pflegekräften Anerkennung verschaffen (91%), und zwar mit einheitlicher und starker Stimme (90%). Die Selbstverwaltung würde die Qualität der Pflege nachhaltig stärken (80%). Eine im Verhältnis zu anderen berufsständischen Verbänden und Vereinigungen (7%) oder zur Gewerkschaft (3%) entstehende Konkurrenz sehen die Befürworter nicht. Pflegekräfte, die gegen die Gründung einer Kammer sind, argumentieren vor allem mit der zu erwartenden Pflichtmitgliedschaft und –beitragszahlung für generell alle niedersächsischen Pflegekräfte (89% der Pflegekammer-Gegner). Darüber hinaus sehen sie auch mit einer Pflegekammer die Hauptprobleme der niedersächsischen Pflege wie Fachkräftemangel und niedrige Entlohnung nicht gelöst (85%) und befürchten unnötige Bürokratie (84%). Zwei von drei (63%) verweisen auf bereits in genügender Zahl existierende Verbände und Vereinigungen, jeder Vierte (27%) sieht in einer Pflegekammer Konkurrenz zur Gewerkschaft.

Was sagt das Ministerium zur Studie?

Ein sehr differenziertes Bild

Das des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration gab in einer kurzen Pressemeldung am heutigen Tage um 10:21 Uhr bekannt:

„In den letzten Monaten wurde in Niedersachsen intensiv über die Errichtung einer niedersächsischen Pflegekammer diskutiert. Pflegeverbände, Leistungserbringerverbände und Gewerkschaften vertreten sehr unterschiedliche Positionen dazu, ob eine Pflegekammer für Niedersachsen rechtlich zulässig und für die Pflegekräfte von Vorteil ist. Auch im Niedersächsischen Landtag wurde in der vergangenen Legislaturperiode die mögliche Einrichtung einer Pflegekammer kontrovers beraten.
Im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration hat deshalb infratest dimap zwischen dem 27. November 2012 und dem 12. Januar 2013 eine repräsentative Umfrage unter 1039 niedersächsischen Pflegefachkräften durchgeführt.

Die Ergebnisse ergeben ein sehr differenziertes Bild. Zwar spricht sich die überwiegende Mehrheit (67 Prozent) zunächst grundsätzlich für die Errichtung einer Pflegekammer aus. Einer Pflichtmitgliedschaft mit Beitragspflicht stimmen aber lediglich 42 Prozent der Befragten zu. Das Sozialministerium wird daher mit allen an der Diskussion Beteiligten Gespräche führen.“

Unsere Meinung

Der Katholische Pflegeverband e.V. begrüßt es sehr, dass weitere valide Daten zur Thematik generiert wurden und auch den Weg in die Öffentlichkeit finden. Das sich die Mehrheit der beruflich Tätigen für die Schaffung der Pflegekammer in Niedersachsen ausspricht, ist ein eindeutiges Signal dafür, dass sich beruflich Pflegende (sicherlich nicht nur in Niedersachsen) eine Pflegekammer zur Vertretung der eigenen Interessen wünschen. Ebenso sehen wir uns in unserer Arbeit und unserem Engagement zur Errichtung von Pflegekammern in den einzelnen Bundesländern bestätigt. Sicherlich werden die Ergebnisse dieser Studie auch in anderen Bundesländern mit großem Interesse gelesen und diskutiert werden.

Der Katholische Pflegeverband e.V. unterstützt die Einrichtung von Pflegekammern in den einzelnen Bundesländern ungebremst und mit Nachdruck.

(M. Antony)

Weitere detaillierte Informationen zu der Studie stellen wir Ihnen unter diesem Artikel zum Download zu Verfügung (Siehe unten).

Downloads:

Evaluationsstudie zur Pflegekammer in Niedersachsen (217 KB)