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01.04.2019

4. Fachtag Palliative Care – „Grenzsituationen in der Pflege bewältigen“

am 26.03.2019

Prof. Maja

Unter diesem Motto versammelten sich 100 Teilnehmer im Auditorium der Josefsklinik des Ortenau Klinikums Offenburg-Kehl.
Wolfgang Schanz vom Bundesvorstand begrüßte den Hausherr, die Referenten und Teilnehmer zu diesem Tag.
Markus Bossong, Pflegedirektor und Hausherr, war der Meinung, dass mit dem heutigen Fachtag die richtigen Fragen zu Palliativ Care gestellt werden und die anwesenden Referenten die passenden Antworten geben können.
Sonja Fuß als die treibende Kraft für die Palliativfachtage und zweite Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg des katholischen Pflegeverbandes, moderierte durch den Fachtag.
Dr. Jochen Rentschler leitender Oberarzt der Klinik für Hämatologie im Klinikum Offenburg-Kehl arbeitete im seinem Vortrag die Aspekte einer Palliativen Versorgung und Betreuung auch für chronisch Kranke heraus. Hier steht der sozio-psychisch-spiritueller Unterstützungsbedarf über einen
langen Zeitraum der Erkrankung im Vordergrund. Dies bedarf einer „Langstreckenplanung“ aller am Krankheitsverlauf beteiligter Berufsgruppen. Die Erwartungen und die Realität des Patienten können sich annähern. Deutlich können bei diesen Verläufen die Therapieziele wechseln.
Prof. Dr. Giovanni Majo Lehrstuhlinhaber für Medizinethik an der Universität Freiburg führte in seinem frei gehaltenen Referat die Teilnehmer in die Betriebliche Logik der Kliniken ein, diese sei entmenschlichend und passe nicht zur sorgenden Logik der Pflegekräfte. Ein Aufbegehren gegen
diese betriebliche Logik treibe die Pflegenden in das Burnout. Er arbeitete heraus, dass Pflegende die besonderen Merkmale in der Pflege besser in das Rampenlicht stellen sollten.
Pflege ist: Beziehungs-, Vertrauens-, Motivations-, Erfahrungs-, Gedulds-, Aufmerksamkeits-, Trost- und Zukunftsberuf in einem. Diese Leistungen sind leider nicht messbar. Pflege gibt Würde zurück und ist elementarer Bestandteil der Humanisierungsleistung eines Gemeinschaft stiftenden
Erlebnisses, wie Pflege im Grunde nach ist. Er sieht Pflege als ein anspruchsvoller Beruf mit Finderspitzengefühl, Behutsamkeit und innerer Haltung. Die Beziehung Pflegekraft – Patient steht im Mittelpunkt, weil Beziehung der Zugang zum Menschen darstellt. Ich, der Pflegende muss mich
einstellen auf den Patienten. Pflegekräfte sind Komplexitätsbewältigungsspezialisten und dies passt nicht in das Algorithmen denken der betrieblichen Logik.
Alrun Sensmeyer, Fachkrankenschwester für Onkologie in Bad Schöllenbach verglich das Schweigen der Männer bei Prostata Carcinom mit dem Redebedarf der Frauen bei Mamma Carcinom. Zwei verschiedene Welten!
Eindrückliche Bilder auf der Leinwand untermalte sie mit Gedanken zur Köperwahrnehmung - der Körper wird als Feld beackert oder wie er als Garten gepflegt wird. Die Körpersprache verkommt für viele Menschen zur Fremdsprache. Eine Körperverletzung kann auch mit Auge und Nase stattfinden und oftmals müssen Tumorpatienten dadurch auf Körpernähe verzichten. Sie spricht darüber, dass Ekel in der Pflege die Kehrseite eines an sich schönen Berufes darstellt und Rehabilitation vor dem Spiegel beginnt!
Catalina Pfister-Jimènez, in Palliativ Care weitergebildete Krankenschwester und Pflegewissenschaftlerin konnte in einem interaktiven Referat die Definition von Palliativ Care aus den Jahren 1990 und 2002 gegenüberstellen und auf die Erweiterung mit Lebensqualität, Familie, lebensbedrohliche Erkrankungen und die körperlich- spirituell und psychosoziale Komponente
hinweisen. Unterschiede in den Krankheitsverläufen von Onkologischen und nicht Onkologischen Patienten wurden sichtbar. Palliativ Care ist nicht auf das Krankenhaus/Hospiz beschränkt, sondern es sollte auf ein interprofessionelles Netzwerk aller an Prozeß Beteiligten erweitert werden, damit ein ganzheitlicher Ansatz verwirklicht werden kann.
Willi Gertsen, Bildungsmanager beim Caritasverbandes der Erzdiözese Freiburg warf die Frage in den Saal: Was ist für uns das Wesen des Berufes? Antworten der Anwesenden: Würde zurückgeben, über das Messbare hinausgehen, ins Zimmer gehen usw.
Mit der Aussage bei Wilhelm Tell: „Verbunden werden die Schwachen mächtig“ konnte er eine politische, professionell/akademische Dimension herausarbeiten. Die vier Seiten der Begegnung, von Prof. Majo: vergegenwärtigen, zwecklos, anerkennen und verstehen lernen konnten dadurch die Begriffe: Begegnung und Beziehung für die Teilnehmer klarer werden.
Er gab den Teilnehmern ein Trainingsplan (Monika Müller) mit auf den Weg: sich in Rücksichtnahme üben, sich in Absichtslosigkeit üben, die Welt anschauen wie sie ist und nicht wie sie sein sollte.
Mit einer Erzählung zum 80. Geburtstag seines Vaters rundete er seinen frohsinnigen aber nachdenklichen Vortrag ab.
Fr. Fuß dankte den Teilnehmern für Ihr Kommen, machte auf den Tag der Pflege am 11.7.2019 in Freiburg aufmerksam und wünschte Allen einen guten Nachhause Weg.
Ernst Olbricht

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