Katholischer Pflegeverband e.V.

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28.03.2011

Pflege macht Sprache

Wenn der heutige Tag der Pflege unter dem Thema „Pflege macht Sprache“ steht, dann geht es um die Sensibilisierung, dass wir in und durch unsere Sprache Pflege gestalten. In und durch Sprache erleben wir einander, formen wir unsere menschlichen Beziehungen, erleben wir uns selbst. Die Sprache in der Pflege drückt den Zeitgeist aus.

Beklagen wir nicht in unseren Tagen die Verfremdung unserer Sprache durch Fremdworte? Stellt sich uns nicht die Frage, was sich in all dem versprachlicht, sich ausdrückt, ins Wort drängt an Zeitgeist, Zeitgefühl, erfahrener Beziehung und Beziehungslosigkeit? Ein bereits feststellbarer Sprachverlust, Sprachverwahrlosung, Sprachverödung und -verarmung sind Stichworte, die die Sprachlandschaft unseres Alltags kennzeichnen. Auch leiden wir mehr oder weniger unter dem Ausverkauf vieler Worte, die nicht mehr halten, was sie einst versprochen haben. Viele haben ihre Bedeutung verändert, ja eingebüßt. Verbrauchte Worte wecken uns nicht mehr auf, sie greifen nicht mehr, sie berühren uns nicht, sie fallen ins Leere … in welches? Viele Menschen werden taub und stumm von den Worten aus den Apparaten, von den Worten, die unser Leben pausenlos durchfluten und beherrschen. In der Sprachberieselung unserer Zeit ist unser eigenes Wort in Gefahr, oberflächlich zu werden, und immer schon haben wir Menschen das Wort nicht nur zum Aufbau, sondern auch zur Zerstörung unserer selbst und anderer, ja ganzer Gesellschaften missbraucht.
Mir ist es wichtig, dass die uns anvertrauten Menschen und Mitarbeiter/innen  Sprache haben, sprechen, angesprochen werden, hören, antworten. Das ist Mensch sein. Durch Sprache menschlich reifen.

Sprache hat niemals nur etwas mit nüchterner Sachinformation zu tun. Es geht bei der Pflege immer um ein Beziehungsgeflecht und um die Verbreitung der Krankheitserfahrung, um die Gestaltung des zwischenmenschlichen Miteinanders und um die Frage der Zukunftsaussichten. Unsere Sprache offenbart, ob wir wirklich in der Pflege anwesend sind. Im Sprechen zeigen sich Seinsstufen. Das Wort oder die Geste oder das Zeichen reicht vom oberflächlichen Weitergeben von Information bis zum Grund, wo der Mensch ganz anwesend ist. Wort und Sprache werden stets von neuem geschenkt und zugleich gelingt es dem Menschen in diesem Augenblick, etwas ganz Persönliches und Einmaliges auszusprechen im Wort.

Dazu ist wichtig, dass Vertrauen aufgebaut wird. Nur in einer Atmosphäre des Vertrauens kann gut gepflegt und gesprochen werden.

Das Zweite ist: gut zuhören. Bevor ich dem anderen etwas sage, muss ich gut hinhören, wie es dem anderen wirklich geht, was er verkraften, wie er mit der Wahrheit umgehen kann, ob er sich innerlich verschließt und bereit ist, sich ihr zu öffnen.

Das Dritte: Ich soll nicht werten, dass der andere sich verschließt oder überempfindlich reagiert. Ich muss vielmehr damit rechnen, dass die bedrohliche und unmittelbare Situation der Krankheit die Kommunikation beeinflusst. Als Pflegepersonal brauchen wir Verständnis für die hochsensible Verfassung des Patienten. Es geht nicht um ein Erlernen guter Rhetorik, sondern um ein Gespür für den Patienten. Die Qualität der Beziehung bestimmt die Qualität der Kommunikation. Wenn der Patient nur sachlich informiert wird, fühlt er sich verunsichert. Er muss mit seinen Ängsten und Hoffnungen ernst genommen werden.

Als Pflegender muss ich bereit sein, den Patienten zu begleiten. Das braucht persönliches Engagement und Mitfühlen – das braucht Zeit. Sprache muss konstruktiv sein. Deshalb ist es wichtig, dass man den in Worten und zwischen den Zeilen Hoffnung lesen kann. Hoffnung ist die Voraussetzung, dass Kommunikation am Krankenbett gelingen kann. Es ist keine vage Hoffnung oder gar Vertröstung. Der Mensch braucht Hoffnung. Ohne Hoffnung können Menschen nicht leben oder gar schwere Phasen des Lebens durchstehen. Hoffnung ist ein Stück Lebenswille und bezieht sich auf eine, wenn auch ungewisse, so doch lebenswerte Zukunft.

Ich weiss mich auch in meiner Krankheit in Gott tief geborgen. Und so kann ich im Gebet auch den Sinn meiner Krankheit erahnen. Natürlich kommt es darauf an, wie ich das Thema des Gebets anschneide. Wenn ich dem Kranken sage, jetzt bleibt nichts mehr übrig als zu beten, dann würde ich ihm eher Angst einjagen. Es wäre eine Mitteilung über medizinische Ohnmacht und keine Vermittlung von Hoffnung. Pflege und Beten sind keine Gegensätze, sondern sollen ineinander greifen. Das Gebet schafft ein neues Vertrauen und fördert somit den Heilungsprozess.

Sprache in der Pflege möchte den Horizont erweitern, was so viel heißt wie: gut zu behandeln, gut und wohlwollend mit dem anderen umzugehen, weil das Gute in ihm mich anzieht und ich gute Gefühle zu ihm habe. Ich möchte uns ein Zitat von Paulus aus dem Hohelied der Liebe im 1. Korintherbrief mit auf den Weg geben: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder lärmende Pauke“. Die Liebe ist für Paulus die Grundlage unseres Sprechens. Sie ist die Quelle, aus der die Worte strömen. Wenn unsere Sprache nicht den Keim der Liebe in sich trägt, dann können wir zwar damit glänzen, wir können andere überreden, aber unsere Worte werden nicht wirklich zum Segen werden für andere.

In der Pflege gibt es viele Weisen des Sprechens. Entscheidend ist, dass alle Formen, ob es nun das informierende, das motivierende, das mitteilende oder das erzählende Sprechen ist, von der Liebe durchdrungen sind. Dazu möchte ich jeden ermutigen.

Literaturhinweis: Anselm Grün, Von Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Gütersloher Verlagshaus, 2009.

Pater Theo Klein