Katholischer Pflegeverband e.V.

Spiritualität gibt Orientierung in allen Bereichen des Lebens

Katholischer Pflegeverband e.V.

Adolf-Schmetzer-Str. 2-4

93055 Regensburg

Germany

Telefon: 0941 6048 77-0

Telefax: 0941 6048 77-9

E-Mail: info@kathpflegeverband.de

Werden Sie Mitglied!

zum Anmeldeformular …

15.02.2012

Neue Handlungsfelder in der Pflege

Die Gesetze des Marktes dürfen nicht die Atmosphäre unserer Einrichtungen bestimmen. Die Caritas könnte somit ihr spezifisches Profil verlieren. Bei so manchem in der Pflege staut sich oft Frust, in dem Sinn: „Was soll ich hier eigentlich? Ich bin doch die totale Fehlbesetzung für diese Aufgabe! Ich werde den Anforderungen doch in keiner Weise gerecht. Es lohnt sich allen Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten zum Trotz, daran zu glauben, dass es auch mitten in der heutigen Welt und Gesellschaft die Spur Jesu und seines Evangeliums gibt, sie zu suchen – wo auch immer . In dem Gedicht von Lothar Zenetti finde ich auch meine Erfahrungen wieder:

„Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter. Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.“

Der Blick hinter die anscheinend so zwingenden und oft so niederdrückenden Realitäten unserer Erfahrungen auf den verschiedenen Ebenen unseres Daseins ist möglich. Pflegen wir unsere Hoffnungskraft. Erweitern wir unseren Horizont.

  1. Die Schwächen karitativer Einrichtungen sind kein Grund zu kapitulieren. Es gibt nirgendwo auf dieser Erde ein Paradies, das perfekt ist, also auch nicht bei der Kirche, der Caritas und im Gesundheitswesen. Nicht Schließungen sind die Lösung, sondern Erneuerungen.
  2. Unser Einsatz soll sich weiterhin bewähren, besonders als Anwalt der Vergessenen oder gar Ausgegrenzten. Bei Strukturen, die immer größer und komplexer werden, kommt es einem vor, als würde man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Die neuen Handlungsfelder in der Pflege dürfen die Nähe und die Solidarität zu den Kranken nicht erschweren. Wir verfügen über ein hochentwickeltes Gesundheitssystem. Fachkompetenz ist gefragt. Versicherungen dämpfen die materiellen Sorgen. Dennoch ist Krankheit mehr als eine Störung, sie ist ein Ereignis, das den Menschen in seiner Ganzheit betrifft.
  3. Die Solidarisierung der Starken mit den Schwachen, die  den Westen Europas lange ausgezeichnet hat, darf jetzt auf keinen Fall verloren gehen. Recht und Gerechtigkeit sind  ein heiliger Auftrag! Die Solidarität und Mitmenschlichkeit zwischen Gesunden und Kranken darf in unserer Leistungsgesellschaft, wo Leistung, Glanz und Glimmer zählen, nicht auf der Strecke bleiben. Solidarität und Menschlichkeit gehören unabdingbar zu den soliden Bausteinen einer Gesellschaft. Eine Anthropologie des Helfens ist unabdingbar. Die Hilfe für Menschen in Not ist und bleibt immer der Kern der Botschaft. Die erste Basis des Helfens liegt im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, welches christliche Liebestätigkeit zunächst einfach als das versteht, was die Not gebietet. So ist christliche Nächstenliebe nicht als ein oberflächliches unbeständiges Gefühl zu verstehen, sondern gilt vielmehr als eine Haltung, die sich mit Kopf, Herz und Hand vollzieht. In anderen Worten heißt das: die beruflichen Qualitäten mit Herzensbildung verbinden. Im Evangelium formuliert Jesus mit dem Liebesgebot den Sinn und das letzte Ziel menschlichen Daseins, ohne Liebe wäre auch das vollkommene Halten aller Gebote unnütz.
  4. Nehmen wir die Sterbenden in den Blick. Die Hospizbewegung ist eine der vorzüglichsten Erfindungen der neueren Zeit. Da gehören wir hin, denn wir stehen zum Menschen vom ersten Augenblick seiner Existenz bis zu seinem letzten Atemzug. Die neuen Handlungsfelder in der Pflege  sind vergleichbar mit dem großen Gebäudekomplex eines Krankenhauses, in dem man sich erst zurechtfinden muss. Das gilt für die neuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und noch mehr für Patienten und Angehörige. Die fremde Umgebung, die Sorge um die Gesundheit, die vielen neuen Eindrücke und die langen, unüberschaubaren Gänge machen eine Orientierung oft schwierig. Auf den Fluren des Krankenhauses treffen wir jeden Tag Menschen, die offensichtlich gerade unsicher sind, welchen Gang oder welchen Aufzug sie nehmen müssen. Meine selbstverständliche Aufgabe (und die eines jeden Mitarbeiters) ist es dann, diese Menschen anzusprechen, ihnen Hilfe anzubieten und sie, falls nötig, ans Ziel zu begleiten. In der Art, wie wir Menschen begegnen, sollte sich das Besondere eines katholischen Krankenhauses zeigen. Das christliche Menschenbild sollte die Grundlage unseres Handelns sein. Dies gilt für Begegnungen mit Patienten und Angehörigen genauso wie für den Umgang der Mitarbeiter im Gesundheitswesen untereinander. Diesen Impuls möchte ich Ihnen als Signal der Ermutigung für den heutigen Tag und Ihren Alltag mit auf den Weg geben, in dem Sinne „Yes, we can!“

Pater Theo Klein