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15.02.2012

Armut macht krank

Kampagne zeigt Schwach­stellen im deutschen Gesundheitssystem

 

„Das Krankheitsrisiko steigt und die Lebenserwartung sinkt, wenn Menschen lange arbeitslos sind oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten; wenn sie über wenig oder kein Einkommen verfügen oder der Bildungsstand niedrig ist.“ Dies machte Caritas-Präsident Peter Neher heute vor Journalisten in Berlin bei der Präsentation der Caritas-Kampagne „Armut macht krank“ deutlich.

„In einem der reichsten Länder der Welt ist die Tatsache, dass Armut krank macht, ein provozierender Zustand“, so Neher. Zwar habe Deutschland ein solidarisches Gesundheitssystem von hoher Qualität. Doch es gebe gravierende Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen. So liege die Lebenserwartung einer Frau aus der Armutsrisikogruppe rund acht Jahre unter der von Frauen aus einer hohen Einkommensgruppe. Bei Männern seien es elf Jahre.

Menschen, die von Arbeitslosengeld II leben, überlegten sich jede Ausgabe genau. Dies führe u.a. dazu, notwendige Arztbesuche aufzuschieben, um die Praxisgebühr zu sparen. Neher fordert daher die Abschaffung der Praxisgebühr. „Sie wurde eingeführt, um nicht notwendige Arztbesuche einzuschränken. Dieses Ziel hat sie nicht erreicht. Sie ist allein ein ergänzendes Finanzierungsinstrument mit hohen Bürokratiekosten.“ 

Besonders schwierig sei die Situation für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Für sie gebe es nur ungenügende Zugänge zum Gesundheitssystem. Betroffen seien Obdachlose, Asylsuchende, Flüchtlinge oder Menschen, die illegal in Deutschland leben. „Menschen gehen nicht zum Arzt, wenn sie Angst haben müssen, den Behörden gemeldet und abgeschoben zu werden. Wir fordern, dass Menschen, die illegal in Deutschland leben, ihre Daten nicht preisgeben müssen, wenn sie einen Arzt brauchen.“

Die Gesundheit eines Menschen dürfe nicht von seinem Einkommen, seinem Aufenthaltsstatus oder seinem sozialen Netz abhängen. „Wir brauchen keine Medizin-Tafeln in Deutschland“, so Neher. Erforderlich sei eine Politik, die Gesundheit als Thema quer über alle Politikfelder verstehe und Armut und Arbeitslosigkeit noch aktiver als bisher bekämpfe. Nur so sei es möglich, den fatalen Zusammenhang zwischen anhaltender Armut und hohem Krankheitsrisiko zu durchbrechen. Doch auch der Einzelne sei gefordert, ihm solle die Verantwortung für die eigene Gesundheit nicht genommen werden. „Wir brauchen ein Präventionsgesetz, das Menschen über Gesundheitsthemen informiert und bereits Kinder und Jugendliche erreicht.“ 

Auf der Kampagnenwebite www.jeder-verdient-gesundheit.de finden Sie persönliche Geschichten zum Thema von Betroffenen und Fachleuten, Kontakte zu Interviewpartnern, sozialpolitische Positionen und einen Themenreport mit Zahlen und Fakten.