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08.07.2013

Advanced Nursing Practice - Stellungnahme des Katholischen Pflegeverband e.V. zum Positionspapier von DBfK, ÖGKV und SBK

Wir freuen uns, wenn Sie unsere Stellungnahme auch bei Ihren Kollegen und Netzwerkpartnern bekannt machen. Unter diesem Beitrag können Sie sich das Posotionspapier des KPV als PDF downloaden. (Bild und Text: KPV)

Am 07.März 2012 haben die Berufsverbände DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe), ÖGKV (Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband) und SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) ein Positionspapier zum Thema „Advanced Nursing Practice in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ veröffentlicht. Der Katholische Pflegeverband e.V. unterstützt die grundsätzliche Intention des vorgelegten Papiers und beteiligt sich mit dieser Stellungnahme aktiv am aktuellen Diskussionsprozess im deutschsprachigen Raum.

Präambel

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland ist derzeit von vielfältigen Herausforderungen und Veränderungen gekennzeichnet, die vor allem aus den demographischen und epidemiologischen Entwicklungen resultieren. Darüber hinaus bedürfen die Berufe im Tätigkeitsfeld Pflege dringend einer Neuordnung.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat bereits in seinem Gutachten 2007 unter dem Thema „Kooperation und Verantwortung - Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung“  gefordert, dass „eine Tätigkeitsübertragung von Aufgaben insbesondere auf die Pflege und eine größere Handlungsautonomie derselben“ umgesetzt werden muss, wenn die Gesundheitsversorgung verbessert werden soll. Dabei ist „die Übertragung internationaler, teilweise sehr weitreichender Modelle wie die advanced nursing practice (z. B. nurse practitioners) … zu prüfen. In Zukunft sollte die Pflege eigenständig pflegerische Bedarfe einschätzen, Interventionen durchführen und die Resultate der pflegerischen Versorgung verantworten. Die Verordnungsfähigkeit für Pflegebedarfsartikel sollte in die Hand der Pflege gelegt werden“ (S. 28).

Darüber hinaus hat der Wissenschaftsrat in seinen „Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ vom 13.07.2012  gefordert, mindestens 10-20% der Pflegefachpersonen, Hebammen, Physio-, Logo- und Ergotherapeuten eines jeden Ausbildungsjahrgangs akademisch zu qualifizieren.

Der Katholische Pflegeverband e.V. unterstützt vor diesem Hintergrund die grundsätzliche Intention des vorgelegten Papiers von DBfK, ÖGKV und SBK zum Thema „Advanced Nursing Practice“ und will sich mit dieser Stellungnahme aktiv am aktuellen Diskussionsprozess im deutschsprachigen Raum beteiligen.

Nach umfassender Diskussion ergeben sich folgende Anmerkungen:

1. Eine Orientierung am ANP-Modell von Hamric  (Hamric AB, Spross JA, Hanson CM (2009). Advanced Nursing Practice: An integrative Approach. 4th Ed. Philadelphia: Saunders) ist sehr sinnvoll, da es sich um einen ausgereiften und international anerkannten Ansatz handelt, allerdings bedarf es einer breiten und intensiven Diskussion darüber, wie die konkrete Umsetzung dieses Modells unter den Bedingungen  des deutschen Gesundheitswesens aussehen sollte.

2. In der Stellungnahme wird als Berufsbezeichnung „Pflegeexpertin APN“ bzw. „Pflegeexperte APN“ vorgeschlagen. ANP ist eine Art „Schirmkonzept“, ein in den USA geprägter Sammelbegriff für Pflegefachpersonen, die ganz unterschiedliche Rollen einer erweiterten Pflegepraxis ausfüllen. So finden sich international vielfältige Bezeichnungen für beruflich Pflegende, die auf ANP-Level qualifiziert und tätig sind: „Clinical Nurse Specialist“, „Nurse Practitioner“, „Advanced Practice Nurse“, „Pflegeexpertin“ oder „Klinischer Pflegeexperte“. Im Sinne einer sprachlichen Klarheit wird vorgeschlagen, „Advanced Nursing Practice“ (Abkürzung: ANP) als Grundbegriff für die konzeptionellen Überlegungen usw. zu benutzen. Eine Pflegefachperson, die über diese „erweiterte und vertiefte Pflegepraxis“ verfügt, ist eine „Advanced Practice Nurse“ (Abkürzung: APN) oder auch „Klinische Pflegeexpertin“. Der ICN stellt dabei heraus, dass eine Advanced Practice Nurse (APN) eine examinierte Pflegefachperson ist, „die Expertenwissen erworben hat, komplexe Entscheidungen treffen kann und über klinische Kompetenzen für eine erweiterte Pflegepraxis verfügt, wobei deren Merkmale vom Kontext und/oder Land bestimmt werden, in dem die Pflegekraft ihre Arbeitserlaubnis erworben hat. Als Zugangsvoraussetzung wird ein Mastertitel empfohlen“ (2008). Folgt man dieser Logik, ergibt sich daraus als Vorschlag des Katholischen Pflegeverbandes e.V. für die Berufsbezeichnung: „Pflegeexpertin ANP / Advanced Practice Nurse“ bzw. „Pflegeexperte ANP / Advanced Practice Nurse“.

3. Der Katholische Pflegeverband e.V. unterstützt die generelle (und ausschließliche) Ansiedlung von „Advanced Practice Nurses“ auf Master-Niveau. Allerdings sollte der Abschluss in Pflege/Pflegewissenschaft im Umfang von 120 ECTS erfolgen bzw. dass konsekutive Bachelor-/Master-Programm insgesamt mindestens 300 ECTS umfassen. Nur so wird (zumindest in Deutschland) die dritte Stufe der akademischen Qualifikation, die PhD-Stufe (Promotion), erreicht. Dies erscheint von besonderer Bedeutung, da in verschiedenen Ländern bereits die Anhebung auf PhD-Niveau diskutiert wird.

4. In der Stellungnahme wird unter der Überschrift „Harmonisierung der Bildung“ formuliert, dass die Qualifizierung der Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten ANP „perspektivisch in einem konsekutiven Masterprogramm, welches sich an der Bologna Systematik orientiert und einen Bachelorabschluss in Pflege und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der Pflegepraxis voraussetzt“, erfolgen soll. Diese Aussage ist insofern missverständlich, als „konsekutiv“ zunächst so viel wie „unmittelbar nachfolgend“ bedeutet und eigentlich meint, dass ein Masterstudium auch unmittelbar nach einem Bachelorabschluss aufgenommen werden kann. Nach Auffassung des Katholischen Pflegeverbandes e.V. sollte es deshalb auch grundsätzlich möglich sein, die Qualifizierung zur Pflegeexpertin ANP/zum Pflegeexperten ANP in zehn Semestern zu absolvieren, insbesondere dann, wenn bereits vor dem Studium eine pflegerische Berufsausbildung absolviert worden ist, und unter Nutzung der vielfältigen Möglichkeiten berufsbegleitender Studienformen bzw. des Fernstudiums. Unabhängig davon wäre es denkbar, für eine mögliche Registrierung der Pflegeexpertinnnen bzw. Pflegeexperten ANP neben dem Masterabschluss weitere Kriterien (z.B. nachzuweisende Praxiszeiten), zu definieren.

5. Die Aussage zu fehlenden ANP-Masterprogrammen in Deutschland ist falsch. So gibt es zumindest an den Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena (vormals Fachhochschule Jena) seit 2007 einen Masterstudiengang Pflegewissenschaft/Pflegemanagement mit dem Studienschwerpunkt Advanced Nursing Practice (Abschluss: Master of Science/M.Sc.) sowie seit 2010 an der Fachhochschule Frankfurt den Masterstudiengang Pflege - Advanced Practice Nursing (M.Sc.).

6. Die vorgeschlagen Übergangsregelungen bedürfen aus Sicht des Katholischen Pflegeverbandes e.V. einer Überarbeitung. So erscheint es problematisch eine Gleichwertigkeit auf Masterniveau ohne Masterabschluss (z.B. nur durch berufspraktische Erfahrungen) zu erlangen.

Regensburg, 08. Juni 2013

gez. Monika Pöhlmann
Vorsitzende

Kontaktadresse:
Katholischer Pflegeverband e.V. - Adolf-Schmetzer-Str. 2-4 - 93055 Regensburg TEL. 0941-6048-770, FAX. 0941-6048-779, E-MAIL: info@kathpflegeverband.de,

Downloads:

Positionspapier des KPV zur ANP 06/2013 (148 KB)