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11.12.2015

„Pflegeberufsgesetz ist eine historische Chance“ – Institut empfiehlt umfassende Evaluation

Köln, 7. Dezember 2015

Das  Deutsche  Institut  für  angewandte  Pflegeforschung  e.V.  (dip)  begrüßt  den 

lang erwarteten und nun vorliegenden Referentenentwurf des Pflegeberufsgeset-

zes und weist auf die historischen Chancen hin, die mit den neuen Regelungen 

verbunden sind. Prof. Weidner, Direktor des dip hebt hervor: „Mit der Generali-

sierung  sind  nun  auch  der  gesetzliche  Einstieg  in  die  grundständige  Aka-

demisierung  und  erstmals  vorbehaltene  Aufgaben  für  die  Pflege  vorgese-

hen.  Das  sind  herausragende  Schritte  zur  Modernisierung  der  Pflege,  die 

seit  Jahren  von  den  Berufsgruppen  eingefordert  werden!“  Die  Zusammen-

führung der bislang nebeneinander bestehenden drei Pflegeausbildungen (Alten-

pflege, Kinderkrankenpflege und Krankenpflege) zu einem neuen Pflegeberuf und 

die  Einführung  grundständiger  Pflegestudiengänge  folgen  in  der  Konsequenz 

dem aktuellen Forschungsstand und ermöglichen die internationale Anschlussfä-

higkeit.  Zugleich  warnt  Weidner  davor,  diese  dringend  notwendige  Reform  der 

Pflegeberufe jetzt durch lauter Partikularinteressen zu zerreden. 

Weidner weist darauf hin, dass „eine Reform, die wirklich etwas bewegen will, 

neben  den  Chancen  immer  auch  offene  Fragen  mit  sich  bringt,  sonst wär 

sie ja keine Reform“! So gäbe es noch Fragen, die sich auf die zukünftige Ent-

wicklung  der  Zahlen  an  Auszubildenden  und  Studierenden,  auf  die  Umsetzung 

der praktischen Ausbildung oder auf den Übergang der Absolventinnen und Ab-

solventen  in  das  Beschäftigungssystem  nach  der  Ausbildung  beziehen.  Daher 

wird  vom  dip  auch  begrüßt,  dass  der  Referentenentwurf  bereits  Schritte  zur 

Überprüfung vorsieht. Weidner empfiehlt, hier nicht zu kurz zu springen und noch 

offene  Fragen,  die  aus  dem  Bauch  heraus  nicht  zu  beantworten  seien,  in eine umfassende, mindestens fünfjährige  Begleitforschung  und  Evaluation aufzunehmen. Weidner: „Das ist unsere Erfahrung: Wer etwas verändern will, braucht erstens  einen  Plan  und  zweitens  eine  Idee,  wie  man  den  Plan anpassen kann, wenn sich auf dem Weg neue Herausforderungen stellen! Wir nennen das  in  der  Forschung  den  Zusammenhang  von  Konzept,  Umsetzung und Evaluation!“ Dann sei auch klar, dass Fragen, die man heute noch nicht beant-worten könne, nicht gleich das gesamte Projekt gefährdeten. Diese Fragen könne 

man oftmals durch eine begleitende Evaluation beantworten. 

Angesichts eines sich in den letzten Jahren immer weiter verschärfenden Fach-

kräftemangels  in  der  Pflege  könne  es  nach  Auffassung  von  Weidner  aber kein 

„weiter so“ im alten System geben. Auch solle man sich nicht über die steigenden 

Zahlen an Schülerinnen und Schülern in der Altenpflege in den vergangenen drei 

Jahren  täuschen  lassen.  „Das  ist  ein  einmaliger  Kraftakt  gewesen,  dessen 

Wirkungen  und  Nachhaltigkeit  wir  noch  nicht  absehen  können,  der  aber 

ohne   grundsätzliche,   strukturelle   Veränderungen   im   System   so   nicht 

durchgehalten werden  kann“,  sagt Weidner.  Mit  Blick  auf  die  Behauptungen, 

dass die Auszubildenden zukünftig nicht mehr lang genug in ein und demselben 

Betrieb  seien, fordert  er,  dass  betriebliche  Interessen  nicht  gegen  Bildungsinte-

ressen ausgespielt werden dürften. Weidner: „Es geht doch nicht nur um drei Jahre Berufsausbildung! Es geht um den Start in ein ganzes Berufsleben!“. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) ist ein gemeinnütziges Institut mit Sitz in Köln und betreibt einen weiteren Standort in Vallendar bei  Koblenz.  Es  hat  von  2004  bis  2008  einen  der  für  das  Pflegeberufsgesetz maßgeblichen Modellversuche „Pflegeausbildung in Bewegung“ wissenschaftlich begleitet. Schwerpunkte der Institutsarbeit liegen auf repräsentativen Studien zur Situation der Pflege und der pflegerischen Versorgung in Deutschland, Pflegebildungs- und Präventionsforschung. (Internet: www.dip.de) 

Kontakt: Elke Grabenhorst, Tel: 0221/ 4 68 61 -30, E-Mail: dip@dip.de (Veröffent-lichung mit Quellenangaben frei, Bildmaterial wird zur Verfügung gestellt, Belege erwünscht) 

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