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15.03.2018

Personaluntergrenzen in der stationären Pflege

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Katholische Pflegeverband e.V. positioniert sich in der Diskussion um Personaluntergrenzen in der Pflege.

 

Personaluntergrenzen in der stationären Pflege

 

Ausgangslage:

In allen Bereichen der stationären Pflege gibt es seit Jahren einen zunehmenden Fachkräftemangel der sich hin zu einer kritischen Größe entwickelt.

Ein Fachkräftemangel aufgrund nicht ausreichender valider Personalbemessungssysteme  und infolge des demographischen Wandels. Dies führt heute schon dazu, dass die freien Stellen nicht mehr zeitgerecht besetzt werden können.

Das daraus resultierende Problem besteht in der nicht mehr ausreichenden pflegerischen Versorgung der Bevölkerung und damit einhergehend eine Gefährdung der Patientensicherheit.  Des Weiteren kommt es zur Überlastung der Pflegenden und zum zunehmenden Burnout der Pflegenden. Die Schere zwischen der Leistungszunahme  und den Stellen in der Pflege erfordert ein zügiges und nachhaltiges Handeln. Ein Handeln  um die pflegerische Versorgung der Gesellschaft auf Dauer hin zu gewährleisten und um  eine „Pflege Katastrophe“ zu vermeiden.

 

Die Personaluntergrenze in der Pflege – eine gesetzliche Vorgabe und eine Vereinbarungspflicht der Vertragsparteien

 

Im Zusammenhang zur gesetzlichen Vorgabe zur Personaluntergrenze (März 2017) wird der  Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wie folgt zitiert:

"Eine gute Versorgung im Krankenhaus setzt eine angemessene Personalausstattung voraus. Gemeinsam ist uns eine weitere wichtige Weichenstellung gelungen, um die Pflege am Krankenbett zu stärken. Jetzt muss es darum gehen, dass die Regelungen, die wir nun auf den Weg bringen werden, fristgerecht von den Krankenhäusern und Krankenkassen mit Leben gefüllt werden." 

 

Die Zeitschiene zur Umsetzung der Regelungen ist wie folgt, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) müssen sich bis 30. Juni 2018 auf detaillierte Personalvorgaben in der Pflege einigen, sonst droht eine Ersatzvornahme des Bundesgesundheitsministeriums. Ab Januar 2019 sollen Krankenhäuser Personalmindeststandards für pflegesensitive Bereiche einhalten. Geschieht dies nicht, sollen die Krankenhäuser ab 2019 Abschläge hinnehmen müssen. Zu berücksichtigen seien dabei die dazugehörigen Intensiveinheiten und die Nachtdienste.

 

Die geplante Personaluntergrenze bezieht sich auf pflegesensitive Bereiche im Krankenhaus in Beziehung zu pflegesensitiven Ergebnisfaktoren

Als pflegesensitive Bereiche  „sind solche zu verstehen, für die ein Zusammenhang zwischen der Zahl der Pfleger und dem Vorkommen pflegesensitiver Ergebnisindikatoren, sogenannter unerwünschter Ereignisse, besonders evident  ist“.

 

Die DKG und der GKV-SV hat sich im November 2017 auf sechs pflegesensitive Bereiche im Krankenhaus geeinigt, für die künftig Personaluntergrenzen in der Pflege gelten sollen. Es sind dies…

 

-              Geriatrie

-              Neurologie

-              Herzchirurgie

-              Intensivstationen

-              Kardiologie

-              Unfallchirurgie

 

Laut der Expertise von Jonas Schreyögg, Professor für Management im Gesundheitswesen an der Universität Hamburg  gibt es aber 15 Bereiche im Krankenhaus, in denen höhere Personalzahlen zu einer geringeren Anzahl von Komplikationen – gemessen als sogenannte pflegesensitive Ergebnisindikatoren (PSEI) – führen würden. 

 

Als pflegesensitive Ergebnisfaktoren  finden nachfolgende Faktoren ihre Anwendung.

1.            Dekubitusprävalenz

2.            BMI < 20

3.            Kontrakturenprävalenz

4.            Sturzinzidenz/Sturzverletzungsrate

5.            Freiheitseinschränkende Maßnahmen

 

Die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einberufene  Expertenkommission  hat sich aus einer Anzahl von 21 möglichen pflegesensitiven Ergebnisfaktoren auf 5 Faktoren geeinigt.

 

Zwischenfazit: Kritisch ist anzumerken das alle Verantwortlichen Gremien (Politik, Krankenkassen, Deutsche Krankenhausgesellschaft etc.)  in Bezug auf pflegesensitive Bereiche und Ergebnisindikatoren nur eine sehr begrenzte Auswahl zur Bemessung und Bewertung der Personaluntergrenze herangezogen haben. Dies hat zur Folge dass somit viele andere Bereiche rausfallen und möglicherweise Pflegende aus nicht pflegesensitiven Bereichen in pflegesensitive Bereiche „verschoben“ werden.  Die sensitiven Ergebnisfaktoren berücksichtigen aus unserer Sicht nicht die tatsächliche Pflegeintensität.

Unsere Position und unser Angebot als Katholischer Pflegeverband.

 

Festzuhalten ist,  dass die Regelung zur Personaluntergrenze  im Ansatz  positiv und lösungsorientiert bewertet werden kann. Es ist nur ein Ansatz der schnellstmöglich weiter entwickelt werden muss.

Es bedarf eines wesentlichen an Mehr an Fachkräften um eine gute und  sichere Pflege zu gewährleisten. Es bedarf der Berücksichtigung aller Pflegebereiche im Krankenhaus da es keinen nicht pflegesensitiven Bereich im Krankenhaus gibt. 

 

Das Mehr begründet sich u.a. dadurch …

o             dass der Pflegebedarf weiterhin rasant  zunehmen wird

o             die Pflegeleistungen komplexer werden und damit pflege-professionsabhängiger sein werden

o             dass der demographische Wandel ein Mehr an pflegebedürftige Menschen mit sich bringen wird und die Zahl der Menschen die einen Pflegeberuf           ergreifen geringer werden

o             dass die Vorbehaltstätigkeiten im Sinne des Pflegeberufegesetzes in der Pflege von größerer Bedeutung sein werden und diese durch             Pflegefachkräfte zu erbringen sind.

 

In der Begründung des Mehr an Fachkräften wird deutlich das die Regelung zur Personaluntergrenze wenig umfassend, systematisch und strukturiert ist. Sie folgt dem „Gießkannenprinzip“  hier ein bisschen dort ein bisschen. Nachhaltigkeit und Kontinuität, geschweige eine angemessene Personalausstattung  sind keine erkennbaren Kriterien in der Regelung zur Personaluntergrenze.

 

Das Mehr an Personal wird sich auch nicht aus der angedachten Zwischenlösung der Selbstverwaltung  vom Februar 2018 zu den Personaluntergrenzen ergeben. Die erwähnten anzuwendenden  Ansätze zur Bewertung von validen Personaluntergrenzen sind nicht neu und wurden immer wieder in der Vergangenheit seitens der Selbstverwaltung in Fragen gestellt. Leider muss man feststellen dass über viele Jahre hinweg das Thema einer validen Personalbedarfsbemessung nicht bearbeitet wurde – trotz der permanenten Forderung der Pflegeverbände. Es war ein Tabu-Thema.

 

Als Kath. Pflegeverband sehen wir uns verpflichtet für eine professionelle  Pflege und für  gute Arbeitsbedingungen in der Pflege einzutreten und dies aktiv mit zu gestalten.

 

Unsere Forderung richtet sich …

o             auf die  Erarbeitung einer gemeinsamer Position  zur „Bedeutsamkeit  und dem Wert der Pflege für die Gesellschaft“ und der Umsetzung          strategischer Handlungsaktionen.

o             auf eine zeitnahe Erarbeitung eines Masterplans Pflege 2025. Mit einem Masterplan könnten Strategien entwickelt und sinnstiftende           Handlungsvorschläge erarbeitet werden

o             auf die Entwicklung und nachhaltige Umsetzung eines validen Instrumentes der Personalbemessung in der Pflege im Einbezug der Pflegepraxis, der           Pflegewissenschaft und Pflegeforschung

o             auf die Entlastung der Pflege von nicht pflegerelevanten Maßnahmen bspw.  eine  Entbürokratisierung in der Pflege

o             an die Verantwortlichen in Politik, Kirche und Kostenträger -   Pflegeverbände, Pflegekammern und Bürger  mit ihren Argumenten ernst zu nehmen     und zielführenden Maßnahmen zur Umsetzung zu bringen

 

Unser Angebot als Kath. Pflegeverband

 

o             Das Einbringen unseres Knowhow  im Feld der Pflegefachlichkeit, der Pflegebildung und des Pflegemanagement

o             die aktive und gestaltende Teilnahme an Arbeitsgruppen

o             die Förderung und Gestaltung synergiestiftender  Vernetzung mit den Verbänden der Kirche – insbesondere  Caritas und  Diakonie

 

Unser Fazit:

 

o             Vom Ansatz her ist die Regelung zur Personaluntergrenze eine zu begrüßende Einstiegs-/Feuerwehrmaßnahme.  In der Gesamtbetrachtung und           Bewertung aber nicht ausreichend um Pflege auf Dauer professionell und unter Achtung der Menschenwürde  leisten zu können

o             Erforderlich ist ein angemessenes valides Personalbemessungssystem um gute            Pflege zu erbringen, eine Pflege in allen Leistungsbereichen.        Denkbar ist eine wissenschaftliche und praxisbasierte Weiterentwicklung von vorhandenen und erprobter Systemen der Personalbemessung in der               Pflege

o             Umsetzung einer Trendbewertung des Pflegearbeitsmarktes und eine  strategische Konzeptionierung um die notwendigen Pflegestellen auf Dauer besetzen zu können.

                Um eine soziale Krise in der Pflege abzuwenden halten wir dies für dringend geboten.

                Fragen könnten u.a. sein …

o             wie wird sich der Fachkräfte-Markt entwickeln – Quantitativ, qualitativ,

o             mögliche Auswirkungen der Digitalisierung im Gesundheits- und Sozialwesen

o             neuen Pflege-Dienstleistungen und deren erforderliches professionelles Handeln

o             welche Maßnahmen führen zur Steigerung der Arbeitsplatzattraktivität

o             Die Sicherung der pflegerischen Versorgung muss als gemeinsame Aufgabe aller Verantwortlichen ins Zentrum des gemeinsamen Handelns gerückt             werden.

o             Politik muss sich als „Dienstleister“ zur verantwortlichen Gestaltung von Rahmenbedingungen für eine gesellschaftlich gute pflegerische Versorgung und Betreuung verstehen lernen und danach handeln

o             Pflege ob Pflegefachpersonen oder Pflegenden im Feld von Führen und Lehren müssen Botschafter für eine gute Pflege werden.

 

Erfolgreich zu sein setzt zwei Dinge voraus:

 

Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen (Albert Einstein)

 

 

Weitere Informationen zum Themenfeld Personaluntergrenze unter www. Personaluntergrenze in der Pflege.de

 

 

Karl-Heinz Stolz, Mitglied des Bundesvorstandes

Anna Maria Luger, Geschäftsführung

 

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