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15.01.2017

Kommentar: Umsatzrendite kontra Barmherzigkeit

Umsatzrendite im Pflegeheim?


Diese Aussage hörte ich von einem Heimleiter, der ein Pflegeheim eines Ordens leitet.

Ich fragte nochmals nach, ob dies so gesagt wurde. Ja es wurde ausgesprochen.

Darf es sein, dass solche Gedankenspiele in sozialen Unternehmen, die eine gesellschaftliche Aufgabe haben, nämlich Pflege und Betreuung von alten und gebrechlichen Menschen, geben.

Seit dem vermehrten Einsatz von Betriebswirten in sozialen Einrichtungen sehe ich diese betriebswirtschaftlichen Gedanken immer mehr aufkeimen.

Es ist ja nichts verwerfliches, daß Pflegeeinrichtungen so wirtschaften, daß keine roten Zahlen entstehen. Es sollte so gewirtschaftet werden, daß notwendige Investitionen am Gebäude und an Wirtschaftsgütern getätigt werden können, daß weiterhin attraktive Wohn- und Pflegebedingungen gegeben sind. Auch müssen gerechte Löhne aller Mitarbeiter in der Einrichtung, auch in der Hauswirtschaft, gezahlt werden.

Umsatzrentabilität wird in der Betriebswirtschaftslehre folgendermaßen errechnet: Gewinn mal 100 geteilt durch die Verkaufserlöse. Dabei sind aber auch Fallen (Die Problematik der exakten Ermittlung der Rentabilitätskennzahl liegt hier in der richtigen Ermittlung des Gewinns. Durch Unterbewertung
von Vermögensteilen in der Bilanz kann der Gewinn zu niedrig ausgewiesen sein-s.Wirtschaftslexikon24.de). zu beachten, die nicht unerheblich zu falschen Zahlen bzw. zu bewußten Fehlinterpretationen führen und dann in einem weiteren Schritt die Belegschaft stark verunsichern. Und das bei Mitarbeitern die stark Emotional geprägt sind.

Ich habe bisher solche Einrichtungen als Non-profit Einrichtungen verstanden. Mit dieser Einstellung kann jeder, der in sozialen Einrichtungen, auch Verantwortung trägt, arbeiten.

Aber bei einer Umsatzrendite hört es auf!

Wenn Umsatzrendite gedacht wird sind andere betriebswirtschaftliche Überlegungen nicht weit weg.

Sie heißen Wirtschaftlichkeit und dies ist das Verhältnis von Ertrag und Aufwand (Ertrag geteilt durch den Aufwand) und da gibt es noch das Wirtschaftlichkeitsprinzip d.h. mit den eingesetzten Mitteln den größtmöglichen Erfolg (Maximalprinzip) oder einen bestimmten Erfolg mit dem geringsten Einsatz zu erzielen (Minimalprinzip)

Es kann einfach so nicht gedacht und danach gehandelt werden. Einnahmen sind klar begrenzt an der Platzzahl und an den Pflegesätzen, an den Löhnen und Sachausgaben.

Es spitzt die Absicht dabei heraus, daß ja Überlegungen angestellt werden können um innere Betriebsabläufe so zu gestalten, daß sie kostengünstiger werden. Überspitzt gesagt: Sachkosten sind ausgereizt, es kann dann nur noch an den Löhnen und auch an der Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft gespart werden. Aber ob dies so einfach ist? Die Heimaufsicht schaut sich ja die Personalmenge und die fachliche Zusammensetzung der Pflegemitarbeiter an. Auch werden Pflegesätze verhandelt. Auch dort wird nach der Zusammensetzung der Aufwendungen und Einnahmen geschaut. Da kann nicht so einfach was gedreht werden.

Wenn eine Einrichtung zu billig ist, spürt es der Bewohner an doch nicht immer guten Pflege und Betreuung. Wenn es zu hohe Pflegesätze sind, kommen nur noch wohlhabende Bewohner, aber wenn dann das Ambiente und die Versorgung nicht mehr stimmt – steht plötzlich das Heim leer. Auch kein wünschenswerter Zustand.

Aber was bewegt denn die Zahlenknechte so zu denken?

Sich selber auf die Schulter zu klopfen, wie toll sie sind. Anderen Kollegen zu zeigen, was sie alles managen können. Selbstverliebtheit in die Zahlen?

Wer kann es je erraten – keiner!

Für mich heißt dies, gerade für eine katholische bzw. Ordenseigene Einrichtung: es gibt eine Barmherzigkeit, es gibt angemessene Pflegesätze, ordentlich bezahlte und stetig weitergebildete Mitarbeiter, eine dem Bewohner zugewandte Haltung aller Mitarbeiter, eine transparente und kollegiale Führung, ein kluger Einsatz der Talente der Mitarbeiter und eine gute Anbindung an das Gemeinwesen – so sieht eine gute Einrichtung aus, da braucht es keine Umsatzrenditerechnung mehr – weil bei diesen oben genannten Voraussetzungen wird es keine Geldprobleme einer Einrichtung geben.

Übrigens: Die Gedanken einer Umsatzrendite wurden von der Ordensleitung für nicht gut befunden –Richtig so!


Ernst Olbricht