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Fachschule für Altenpflege Donaueschingen

24.02.2017

Integration von Pflegekräften aus dem Ausland – ein Praxisbericht

Ausgangslage

Zur Kompensation des aktuellen und zukünftigen Pflegekräftemangels werden gegenwärtig ausländische Fachkräfte aus Drittstaaten angeworben. Die Anwerbung konzentriert sich außerhalb der Europäischen Union aktuell auf Pflegekräfte aus den Philippinen, Serbien, Bosnien, Tunesien und China. Da die Anerkennung der Berufsabschlüsse für diese Bewerberinnen aus berufsrechtlicher Sicht nicht ohne weiteres möglich ist, wird in der Regel eine Anpassungsmaßnahme nach §20 KfPfAPrV verlangt. Dabei kann es sich um ein mehrmonatiges Anerkennungspraktikum oder um einen Anpassungslehrgang handeln.

Hierzu bieten verschiedene Bildungseinrichtungen bundesweit Anpassungslehrgänge an, die sowohl hinsichtlich ihrer finanziellen, strukturellen und inhaltlichen Gestaltung heterogen sind. Dadurch bestehen erhebliche Unterschiede aber auch Unsicherheiten bezüglich der strategischen und inhaltlichen Ausrichtung der geforderten Schulungs- und Prüfungsmaßnahen. Zum einen steht die intendierte Sicherstellung pflegerischer Versorgungsqualität in Frage. Zum anderen führt die heterogene Schulungspraxis zu Rechtsunsicherheiten auf Seiten der Bewerberinnen. Genaugenommen erfordert die nachhaltige professionelle Integration ausländischer Pflegekräfte in das deutsche Gesundheitswesen begründete, konsistente und transparente Qualifikationskonzepte. Diese sind zurzeit nicht vorhanden. Folglich liegt die Verantwortung vor allem bei den Arbeitgebern für eine Qualifizierung und gelingende Integration in den Beruf geeignete Voraussetzungen zu schaffen.


Vielleicht auch aufgrund der einfacheren Anerkennung der Berufsabschlüsse werden momentan vermehrt Pflegefachkräfte aus EU-Mitgliedstaaten wie Spanien, Italien, Ungarn und Rumänien angeworben. In diesen Fällen ist in der Regel eine Berufsanerkennung mit der Erreichung des B2-Sprachniveaus garantiert.

 

Umsetzung in mehreren Schritten

Aus meiner Berufspraxis möchte ich die gelungene Integration von indischen Pflegekräften sowie die Integration von italienischen Pflegekräften schildern und Mut machen für ein gelingendes, professionelles Miteinander. Wir haben uns für die diese beiden Kulturen entschieden, da wir durch langjährige Kolleginnen aus Indien sowie einen aktiven deutsch-italienischen Verein wichtige Ressourcen für eine Integration identifiziert haben.


  1. Willkommen von indischen Pflegekräften

Diese Pflegekräfte kommen über das Regierungspräsidium oder über „Mundpropaganda“ und werden von uns nicht aktiv angeworben. Hier konzentrieren wir uns auf Pflegekräfte, die ein Anerkennungspraktikum (im Gegensatz zu einem Anerkennungslehrgang) machen möchten. Dies ist für uns ein fairer Weg, da die neuen Kolleginnen von Beginn an für Ihre Arbeit nach TVöD bezahlt werden und sich als Teil unserer Klinik begreifen.

  • Die Kolleginnen aus Indien absolvieren in unserem Hause ein mehrmonatiges Praktikum nach Vorgabe des Regierungspräsidiums und werden dabei ganz nebenbei von den Mentoren in die Pflege an unseren Kliniken eingeführt. Voraussetzung ist, dass sie bereits das Sprachniveau B2 mitbringen. In der Regel wurde dies in Indien am Goetheinstitut erworben.

  • Zu Beginn des Einsatzes in unserem Haus bieten wir über unsere Schule einen einwöchigen Grundlagenkurs in Hygiene, Grundpflege und Dokumentation an. Damit erreichen wir einen guten Start in unserer Klinik und ein erstes kleines Netzwerk zur Klärung von Fragen oder zur Bewältigung von Unsicherheiten. Diese eine Woche ist ein wichtiger Schlüssel, bietet sie doch den neuen Kolleginnen beim Einsatz auf Station vom ersten Tag an die Möglichkeit Erfolgserlebnisse zu haben und sich als nützlicher Teil des Teams zu erleben.

  • Eine indische Kollegin, die bereits seit über 20 Jahren an der Klinik arbeitet ist zudem die wichtigste Ressource bei der Sensibilisierung für die kulturellen und beruflich-professionellen Differenzen und der Bearbeitung von interkulturellen Konflikten.


  1. Willkommen von italienischen Pflegekräften

Diese Pflegekräfte kommen mit einem Sprachniveau B1 und werden von uns aktiv im Heimatland angeworben. Deshalb sehen wir uns in einer noch deutlicheren Verantwortung für das Gelingen des Integrationsprozesses. Wir haben uns bereits im Vorfeld viele Gedanken gemacht und ein Onboarding-Programm1 entworfen.

Hier ein Auszug:

  • Vorstellungspräche durch Pflegedirektorin und Personalleiterin im Heimatland. Persönliches Kennenlernen, Erfragen der Einsatzwünsche und ausführliche Information über die Klinik sowie über Stadt und Landkreis. Auswahl der zukünftigen Mitarbeiterinnen.

  • Willkommensabend mit Übergabe des Arbeitsvertrages und kleinen Willkommensgeschenken. Übergabe von wichtigen Informationen (Sozialversicherungen etc.) in ital. Sprache. Teilnehmerinnen: Stationsleitungen der zukünftigen Einsatzorte, Praxisanleiterinnen / Mentorinnen, Pflegedienstleiterinnen

  • Hospitationstag in den zukünftigen Einsatzorten, Begleitung durch die Mentorin

  • Workshop zur Sensibilisierung der zukünftigen deutschen Kolleginnen für die ital. Kultur

  • Kontakt zu deutsch-italienischem Verein wird hergestellt.

  • 1. Arbeitstag auf Station

  • Kompakt - Unterricht in Grundpflege, Hygiene und Dokumentation (eine Woche)

  • Sprachkurs B2 (ein Tag /Woche bei uns in der Klinik)

  • 4 – wöchentliche strukturierte Feedbackgespräche mit ital. Pflegerin, Stationsleiterin und Mentorin

  • Regelmäßig Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in der Region und Veranstaltung von Grillfesten oder ähnliches im Jahresverlauf (3-4 Termine / Jahr)

  • Nach ca. 10-12 Monaten Prüfung B2 und Anerkennung des Berufsabschlusses

  • Feier zur Berufsanerkennung. Würdigung der Leistung aller am Integrationsprozess Beteiligter.



Mit diesem Vorgehen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir werden aus unserer Sicht der Verantwortung für die

  • Förderung der Verständigung

  • Sensibilisierung für die kulturelle und beruflich-professionelle Differenz und Integration derselben

gerecht.


Die ersten aktiv angeworbenen Kolleginnen sind nun bereits seit 4 Jahren in unserer Klinik beschäftigt. Sie sind gerne hier. Sie sind uns wertvolle Kolleginnen geworden die wir mit ihrer Lebensfreude und ihrem Einfühlungsvermögen nicht mehr missen möchten. Die erste Kollegin ist bereits auf dem Weg zur Fachweiterbildung Intensivpflege.

Eine Kollegin, die nach zwei Jahren wieder nach Italien zurückgekehrt ist, kam inzwischen wieder. Es gefällt ihr hier besser!

Wichtig ist es nach unserer Erfahrung, sich auf einige wenige fremde Kulturen zu beschränken um den Integrationsprozess nicht zu gefährden, sich und andere nicht zu überfordern und zu gewährleisten, dass sich eine stabile Gruppe bilden kann die sich bei Schwierigkeiten gegenseitig stützt und durch das Leben der eigenen Kultur und der eigenen Rituale Heimat in der Fremde ist.



Dr. rer. cur. Sabine Proksch

Pflegedirektorin

Kreiskliniken Reutlingen GmbH

1 Onboarding-Programm der Kreisklinken Reutlingen GmbH