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06.04.2017

Der wertvolle Mensch hinter der Pflege

Beim zweiten Katholischen Pflegekongress setzten sich Pflegende aus ganz Deutschland mit Werten und Wertschätzung in ihrem Beruf auseinander. Rund 110 Teilnehmer waren der Einladung der Caritasverbände der östlichen Diözesen und des Katholischen Pflegeverbandes der Landesgruppe Mitte-Ost in die Katholische Akademie gefolgt.

Caritasdirektorin des Erzbistums Berlin Dr. Ulrike Kostka, Foto von Angelika Kröll

„Christsein in der Pflege – was ist gute Pflege wert?“ lautete das Kongress-Thema. Die Berliner Caritasdirektorin Prof. Ulrike Kostka betonte zur Begrüßung: „Mir ist es wichtig, dass Pflege eine starke politische Stimme bekommt und dadurch auch an Macht gewinnt.“ Dazu gehöre ebenso die gegenseitige Wertschätzung, die gegenseitige Stärkung der Pflegenden untereinander, so Kostka weiter. „Sie alle können etwas bewegen“, ermutigte sie die Kongress-Teilnehmer.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch dankte in seinem Grußwort den Pflegekräften für ihren Dienst. Vor allem im Osten Deutschlands, wo die Kirchen in der Minderheit seien, gäben die in diesem Beruf tätigen Christen auch ein „wichtiges Glaubenszeugnis“, betonte Koch. Bei aller Belastung erlebe er Pflegende als eine zufriedene Berufsgruppe, da sie ihren Beruf als lebensnotwendig sähen. „Pflegen hat auch im lateinischen den Wortsinn 'das Leben fördern'“, merkte der Erzbischof an.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), forderte in seinem Vortrag, dass nichtakademische Pflegeberufe bei Ausbildungskosten und Gehältern bessergestellt werden müssten. „Wir bekommen nur dann mehr Pflegekräfte, wenn wir sie fair bezahlen.“ Auch kritisierte er, dass Angehörige medizinischer Lehrberufe ihre Ausbildung im Unterschied zu Ärzten selbst finanzieren müssten.

Mit Blick auf die Ausbildung machte sich Laumann für ein einheitliches Modell stark, anstatt wie bisher in Alten- und Krankenpflege zu unterscheiden. Schließlich hätten viele Krankenhauspatienten altersspezifische Erkrankungen wie Demenz und seien Heimbewohner oft chronisch krank, erklärte er. Zudem erhöhe eine breit angelegte Ausbildung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Pflegebeauftragte machte sich zudem für eine Selbstverwaltung des Pflegesektors stark: „Je besser die Pflege sich selbst organisiert, desto mehr Macht und Aufmerksamkeit bekommt sie“, sagte er den Kongress-Teilnehmern.

Der Theologe und spirituelle Begleiter Pierre Stutz nahm in seinem Vortrag die Pflegenden selbst in den Blick. Gerade diese Berufsgruppe müsse auch für sich selbst sorgen. Möglich sei das beispielsweise mit der Etablierung von eigenen kleinen Ritualen in den Alltag. Stutz plädierte für den Mut, nicht immer nur „in echt“ zu denken, sondern Gelassenheit zu suchen und für sich zu beanspruchen.

Referentin Ruth Rottländer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung, mahnte, dass das Thema „Wertschätzung“ im Pflegeberuf immer „brennender“ werde: Zum einen insbesondere als christlicher Arbeitgeber aus moralischer Selbstverpflichtung den Mitarbeitern gegenüber. Vor allem aber, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wertschätzung sei wichtig, um Mitarbeiter zu halten. Sie verwies darauf, dass es mehr offene Stellen als arbeitssuchende Pflegekräfte gebe. Zudem herrsche eine Konkurrenz zwischen den Sektoren, also Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten. „Sie werden um Mitarbeiter kämpfen müssen“, warnte sie vor allem die im Publikum sitzenden Führungskräfte.

Um bei den Pflegenden einen dauerhaften Stolz und Arbeitszufriedenheit zu erreichen, regte die Berufspädagogin unter anderem so genannte Pflegeerfolgsbesprechungen an. Erfolgreiche Arbeit verschwinde zu häufig im Alltag und sei selbstverständlich. Ein wertschätzendes Pflege- und Gesundheitsmanagement sowie Wertschätzung durch das Team und den Arbeitgeber würden Pflegekräfte ebenfalls bestärken, ergab das Projekt PflegeWert, das Rottländer im Jahr 2012 betreute. Auch hätten sich die Arbeitnehmer wertschätzende Öffentlichkeitsarbeit von der Leitungsebene gewünscht.

Wie die zehn Gebote als Moral-Programm für soziale Einrichtungen funktionieren können, erklärte die Theologin Prof. Elisabeth Jünemann. So übersetzte sie beispielsweise die ersten drei Gebote mit „Identität“, „Integrität“ und „Heilige Zeit“.

In der Gesellschaft herrsche ein unterschiedliches Verständnis von Werten. Deshalb brauche es ein Programm, das Werte festlegt. Solche Programme würden Religionen bieten, beispielsweise das Christentum mit den zehn Geboten. Diese seien bei 90 Prozent der Bevölkerung bekannt, selbst bei Menschen aus nicht-christlichen Kulturen. „Es ist kommunizierbar.“ Und darum gehe es.

Die Teilnehmer zeigten sich zufrieden mit dem zweitägigen Kongress, der neben Vorträgen insgesamt acht Workshops bot. „Ich nehme viel mit“, sagt Sylvia Löffler aus Dresden. „Zum Beispiel, wie man mit kleinen Sachen Positives bewirken kann, wenn man morgens mit den Patienten einfach etwas Blödsinn macht. Der Clown im Abendprogramm hat uns das gut demonstriert.“ Kollegin Bettina Ziegler ergänzt: „So wie Du morgens das Fenster auf machst, möchte ich die Leute einmal am Tag zum Lachen bringen. Das zeigt, dass das Leben der Menschen noch lebenswert ist. Das ist auch eine Form von Wertschätzung gegenüber den Patienten.“

Dorothea Brust-Etzel aus Kinzigtal gefiel vor allem der Austausch mit den anderen Kongress-Teilnehmern, um andere Blickwinkel zu bekommen. „Auch das Thema Achtsamkeit finde ich wichtig und die Botschaft 'es selbst in die Hand zu nehmen'.“

Der Berliner Stephan Kliem fand vor allem den Aspekt des wertschätzenden Führens interessant. „Das vernachlässigen wir“, kritisierte er.

Auch Swantje Kersten, Mitglied im Organisations-Team, zieht ein positives Fazit: „Wir haben mehr Teilnehmer als beim ersten Mal.“ Die Atmosphäre empfand sie sehr „familiär“, da viele bereits zum zweiten Mal gekommen seien. Das motiviere und bekräftige das Organisationsteam, diese Veranstaltung zu etablieren. „Außerdem zeigt es uns, dass unser Anliegen ankommt, sich bewusst weniger dem Fachlichen als der Motivation und der Wertschätzung zu widmen. Das soll auch künftig so bleiben“, sagt Kersten. Der nächste Kongress ist für 2020 angedacht.

 

 

Text: Christina Bustorf